8ai-Klasse besucht eine Aufführung von "Die Dreigroschenoper" des Vorarlberger Landestheaters
Die MaturantInnen der 8ai-Klasse trafen sich am 11. November 2011 in Bregenz im Kornmarkttheater, um mit unserer Klassenvorsteherin und Germanistikpädagogin Susanne Greber-Germann "Die Dreigroschenoper" von Bertold Brecht zu besuchen. Im sehr gut gefüllten Theater erlebten wir ein Schauspiel mit Musik, das zwar prunkvoll, aber auch billig und für Bettler bezahlbar sein sollte, in unserem Fall aber statt für "Bettler" eher für„SchülerInnen“.
Gleich zu Beginn zeigt sich Brechts Absicht, ein Theater im Theater zu präsentieren: Die Bühne wurde von einem Lolly lutschenden Jugendlichen in zeitgenössischem Hip-Hop-Outfit betreten, der den Vorhang öffnete und den BesucherInnen den Blick frei gab für das Theater im Theater.
Fast schon gruselig wirkten die Schauspieler zu Beginn, als sie bei schummriger Beleuchtung das Leiden der Bettler des „ärmsten“ Mannes Londons, Jonathan Peachum, darstellten. Er ist Chef des Londoner Bettelunternehmens Peachum. Wer diesem Gewerbe nachgehen will, kommt an seiner Firma nicht vorbei. Zusammen mit seiner Frau Celia Peachum, die dem Laster des maßlosen Konsums alkoholischer Getränke verfallen ist, unterteilt er die Bewerber in Mitleidskategorien.
Das Lukrative an seinen Arbeitsverträgen: Bei Abgabe fast aller Mitleidsgroschen der Passanten sind Unterkunft und Bettlerausrüstung inkludiert. Doch der Unternhmer sieht schwarz für die Zukunft seiner Firma, will doch Tochter Polly den berüchtigten Gesetzeslosen Mackie Messer ehelichen. Er würde dadurch nämlich die langen, schönen Beine seiner Tochter verlieren, die von seinen Geschäftspartnern immer mit „Triple A“ eingestuft werden.
Peachum und seine Frau sind fest entschlossen diese Ehe zu verhindern. Doch die Ehe ist bereits im Gange. In einem Pferdestall hält Mackie Messer, ein Vergewaltiger, Mörder und Bandit, Hochzeit mit seiner „Liebsten“. Geladen sind seine Spießgesellen, ein Geistlicher und der Polizeichef „Tiger“ Brown. Es ist eine Räuberhochzeit. Mit ordinären Ausdrücken wird nur so um sich geworfen, das Festessen ist gestohlen, als Ehebett dient ein gestohlenes Cembalo.
Das Glück ist aber nur von kurzer Dauer, Scotland Yard ist plötzlich hinter Mackie her, trotz seiner Beziehungen. Das Unternehmer-Ehepaar Peachum will den Schwiegersohn hängen sehen. Mackie flieht, lässt seine Frau alleine zurück, allerdings nicht ohne sie darauf hinzuweisen, sich frisch zu halten und regelmäßig zu baden.
Auch auf der Flucht kann er dem weiblichen Geschlecht nicht widerstehen. Er wird von einer Prostituierten verraten und ins Gefängnis gebracht. Es gelingt ihm noch einmal die Flucht durch die Mithilfe seiner früheren Geliebten Lucy. Jedoch ist diese Freiheit nur von kurzer Dauer und er wird schlussendlich gehängt und dann doch nicht gehängt.
Nach circa vier Stunden war die Vorstellung um 23.30 Uhr zu Ende.
Der schon etwas zurückhaltende Applaus des Publikums könnte auf die späte Stunde zurückgeführt werden. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass man etwas enttäuscht von der gebotenen Darbietung war. Vor allem die beiden Frauen von Mackie Messer, Lucy und Polly, wirkten in ihrem Streit um das Lustobjekt Mackie fast wie zwei hysterische Teenager. Weiters war das Stück an sich nach der Pause nicht mehr vergleichbar mit dem ersten Teil der Aufführung.
Gelobt werden muss aber die Livemusik, die im Graben für eine tolle musikalische Umrahmung der Oper für Arme sorgte. Erwähnenswert ist auch die deutliche Kritik am Finanz- und Bankensystem unserer Welt. Aussagen wie, “ Was ist ein Mord, im Vergleich zu einer Aktie?“, stimmen bedenklich und regen zum Nachdenken an.
Als Maturant(inn)en hatten wir natürlich die Kernaussage des Stückes erkannt: Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral!
Alles in allem ein toller Abend, der für einige in einer längeren Heimfahrt über den Vorderwald bei einer Theaternachbesprechung seinen Ausklang fand.
Zum Schluss möchte ich mich im Namen der 8ai bei unserer Begleit- und Taxifrau Prof. Susanne Greber-Germann für den Besuch von "Die Dreigroschenoper" im Vorarlberger Landestheater bedanken. (Simon Johler)





