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Samstag, 19.05.2012

My Dream of Canada

Das vergangene Jahr erscheint nun wie ein Traum. Der einzige Unterschied: Man erwacht daraus und doch ist irgendwie und irgendetwas anders, doch was es ist, weiß man nicht so recht. - Mein Traum „Kanada“ begann am 25. August 2010, wahrscheinlich ein Datum, das ich nicht mehr so schnell vergessen werde.

Nach diesem Tag sollte alles anders werden. Ich würde nicht nur in ein fremdes Land fliegen, sondern auch eine andere Sprache sprechen. Ebenso würde ich mit anderen Gewohnheiten und Regeln leben müssen, einer neuen Familie und neuen Freunden. Es wird eine komplett neue und andere Welt sein als die, in der ich bisher gelebt hatte.

Alles war bereits arrangiert, ich hatte meine Papiere in der Hand, die ich brauchte, um auszuwandern, meine Koffer gepackt und bereits eingecheckt, und mein Flugticket, das mich zum größten Schritt führte, den ich jemals in meinen ganzen 17 Lebensjahren gemacht hatte.

Als ich zu meinen Eltern auf Wiedersehen sagte und das erste von drei Flugzeugen betrat, dachte ich, dass ich schon den größten Schritt getan hatte. Doch dies war nur das Kleinste von dem, was später im Jahr kommen sollte! - Dieser Tag war auch einer meiner längsten und anstrengendsten. Es war, als ob mich die plötzliche Unabhängigkeit in den Kopf getreten hatte.

In meiner Zeit in Kanada, lernte ich viele Dinge! Es ging nicht nur um das Erlernen der Sprache und Eintauchen in eine andere Kultur, sondern ich lernte auch mehr über mich, wie weit ich gehen kann, bis ich an meine Grenzen stoße und wie weit ich mich „pushen“ kann.

Dabei gebe ich zu, dass es nicht immer leicht war, vor allem, weil es viel einfacher gewesen wäre sich die Frage zu stellen - und sie ist mit Sicherheit nicht nur einmal in mir aufgestiegen: "Warum nicht einfach alles aufhören und heimgehen, sich den leichteren Weg auszusuchen?"

Plötzlich realisierte ich, wie wichtig es war, nicht aufzugeben - niemals! Sondern für das zu kämpfen, was man will und immer das Ziel direkt vor Augen zu haben, die Träume zu verfolgen.

Aus meinem positiven Denken habe ich auch gelernt, mit Geduld auf den richtigen Moment zu warten. Vor allem habe ich das erste Mal herausgefunden, dass ich stolz auf mich sein kann.

Ich ging in eine Schule mit 1600 StudentInnen und etwa 30 AustauschschülerInnen. Unter diesen galt ich als „einer von denen“, dennoch hatte ich schlussendlich meinen richtigen Platz gefunden. Jeden Tag holte mich der gelbe Schulbus am Ende der Straße ab und setzte mich pünktlich nach der Schule um halb fünf wieder an meine Straße. Die Schule war immer das gleiche: Ein Stundenplan von zwei Tagen mit jeweils zwei Fächern, Spaß hatte ich trotz all dem!

Ich hatte drei Gastfamilien.
Meine erste Familie war ein wenig chaotisch und sehr gewöhnungsbedürftig. Ich lebte zusammen mit sieben Katzen - und ja, die Freude an ihnen ist mir definitiv vergangen! -, zwei Hunden und weiteren acht Personen in einem Haus. Die Familie unternahm nicht viel mit mir, meist saßen sie den ganzen Tag daheim, was wahrscheinlich auch der Grund war, warum ich anfangs eine so schwere Eingewöhnungsphase hatte.

Meine zweite Familie war verglichen mit der ersten komplett anders. Sie bestand nur aus meinem Counsellor und mir. Es war eine richtige Erholung und ich genoss es - trotz der Stille.

Meine dritte Familie, und ich sehe sie heute noch als richtige Familie an, war dann der Höhepunkt des Jahres! Ich liebte und liebe sie immer noch! Wir hatten viel Spaß und es war auch in dieser Familie, in der ich einen etwas anderen, aber wunderschönen Geburtstag feiern durfte, wobei ich immer wieder mit verschiedenstem überrascht wurde.

Die letzten Tage meines Abenteuers kommen mir vor, als hätte ich sie gerade gestern erst erlebt. Sie sind so klar in meiner Erinnerung wie auch mein erster Schritt ins Flugzeug. Während ich mir damals über das Wie? Wo? Was? Gedanken machte, war es nun nur mehr der Gedanke „Warum eigentlich heimgehen?“

Ich habe dort einen Teil von mir gelassen. Kanada darf ich nun einen Teil meiner Heimat nennen. Ich habe dort Familie und Freunde. Und ich werde sie dort noch für längere Zeit haben, wofür ich all jenen die mich unterstützt haben, nicht nur in Kanada, sehr dankbar bin. (Valentina Marterer)

Samstag, 05-11-2011 08:32 Alter: 196 Days