Mein Abenteuer ECUADOR
Am 20. August 2010 fing alles an... Ich stieg in ein Flugzeug, bei dem angegeben war „Destination: Mariscal Airport (UIO) Quito“. - Mein Herz voller Hoffnungen, Erwartungen und auch Ängsten, denn zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Ahnung, was mich wohl auf der anderen Seite der Welt erwarten würde...
Angekommen in Quito, hatte ich schon einmal mit dem ersten Kulturschock zu kämpfen. Überall Autos, Stau, Abgase, Menschen, so kam es mir vor. Ich stellte mir die Frage, wie ich wohl hier inmitten dieses Getümmels zurecht kommen sollte, kam es mir doch, nach 15 Jahren dörflicher Idylle unmöglich vor...
Die ersten Tage waren wie Träume, überhaupt hatte ich einige Zeit lang das Gefühl, ich wäre auf Urlaub und würde bald zurückkehren. Nach zwei Monaten musste ich mir dann wohl eingestehen, dass ich hier noch weitere neun verbringen würde...
Da meine Spanischkenntnisse, als ich ankam sich auf das Einfachste beschränkten, hatte ich anfangs das Gefühl, diese Sprache wohl nie zu lernen... Das denke ich mir jetzt beim Wiedererlernen von Deutsch manchmal.
Im ersten Monat musste ich dann oft einfach vortäuschen, die mir gerade erzählte Geschichte verstanden zu haben... In dieser Sache wurde ich ein Profi, meine Gastfamilie schwärmte bei jedem über mein unglaubliches Sprachverständnis.
Mit der Zeit wurde das dann aber Wahrheit. Jeden Tag lernte ich mehr und mehr, bis ich nach einigen Monaten schon anfing auf Spanisch zu träumen... Ich plapperte einfach schon so drauflos ohne irgendein Nachdenken.
Mit der Zeit fielen mit dann deutsche Wörter nicht mehr ein, und ich hatte sogar manchmal, so sagte man es mir, einen spanischen Akzent beim Deutsch reden... Spanisch war für mich wie meine Muttersprache geworden und ich konnte es mir nicht mehr vorstellen den ganzen Tag Deutsch zu reden, geschweige denn in Österreich zu leben.
Mein ecuadorianisches Leben war für mich völlig normaler Alltag geworden: Jeden Tag holte mich morgens mein Schulbus ab und brachte mich in meine Schule.
Meine Schule, das Colegio Becquerel, war eine von Quitos vielen Privatschulen, eine sehr kleine, im Gegensatz zu anderen. Der Vorteil war aber dann, dass ich so gut wie alle kannte und mich und die anderen sechs AustausschülerInnen, die auch diesselbe Schule besuchten, kannten, sowieso jeder unter „los estudiantes de intercambio“. - Wer konnte uns denn schon übersehen? Zwei Deutsche, zwei aus den USA, eine aus Taiwan, einer aus der Schweiz und ich als Vertreterin Österreichs, die man in den Pausen entweder zusammen an einem Tisch lachen sah, oder jeder einzeln bei seiner Klasse. Während den Stunden fand man sie (meist) in den jeweiligen Klassenräumen, oder auch mal, wenn eine der langweiligen Englischstunden anstand, unter einem der Bäume (aber psst!).
Meine Klassenkameraden waren sehr lieb und überfielen mich laufend mit Umarmungen und Küssen. Diese Gastfreundschaft machte mir den Anfang um vieles leichter...
Auch meine Gastfamilien waren beide sehr lieb und ich hatte wirklich viel Spaß mit ihnen. Ich fühlte mich, besonders bei meiner zweiten, gleich wie zu Hause. Und ich war sofort ihre Tochter und Schwester.
Ich führte ein sehr angenehmes (Haushalts-) Leben, wurde in beiden Familien von Hausmädchen bedient. Das ging auf Kosten meiner österreichischen Mutter, da ich nach zwei Monaten irgendwie immer noch das Gefühl habe, mein Hausmädchen würde wohl bald kommen und dieses Chaos im Zimmer aufräumen...
Die ecuadorianische Küche hatte am Anfang noch nicht wirklich meine Sympathien. Mit der Zeit aber lernte ich alles zu lieben, was den Namen „Empanada“, „Arroz“, „Carne“, „Llapingachos“, „Yuca“, „Pan de Yuca“ und vorallem „Locro“ trug. Auch die ganzen verschiedenen Sorten gebratener oder gekochter Bananen, die auf meinem Teller landeten, hatten es mir angetan.
Auch die ganzen frischen Früchte und die daraus gemachten Säfte aller verschiedener Arten, die man sich als Österreicher gar nicht vorstellen kann, die jeden Morgen in meinem Frühstück inkludiert waren, sind etwas, das mir hier wirklich fehlt. - Während meines Austauschjahres träumte ich oft von Marillenknödel, Kaiserschmarren... Jetzt geht es mir umgekehrt.
Mit den AustausschülerInnen Ecuadors, 124 junge Menschen aus aller Welt, bereisten wir alle paar Monate wieder einen anderen Teil Ecuadors... Angefangen bei der ecuadorianische Küste, über das Amazonasgebiet, das Andenhochland, bis zu den Galapagos Inseln, nichts wurde von uns verschont. Jede einzelne dieser Reisen war zwar anstrengend, aber ungeheuer spaßig und schön.
Jedes dieser einzelnen Gebiete Ecuadors ist auf seine eigene Weise wunderschön. Ob lange Sandstrände, an denen man Abends wunderschöne Sonnenuntergänge beobachten kann, mit exotischen Pflanzen durchwucherter Urwald, hügelige Berge, in denen man nicht selten indianische Bevölkerung mit Lamas antrifft oder eine einzigartige Landschaft aus einigen der schönsten Strände der Welt, mit einer einzigartigen Tierwelt, alles bezauberte uns...
„En la mitad del mundo
yo tengo un monton de amigos,
la mitad de mi se quedó
en la ciudad de Quito.
La mitad de mi alma,
una parte de dos,
el 50% se quedó en Ecuador.“
...In der Mitte der Welt habe ich viele Freunde, eine Hälfte von mir ist in Quito geblieben. Die Hälfte meiner Seele, ein Teil von zwei, 50% ist in Ecuador geblieben.
Genau was dieser Liedtext aussagt, trifft auf mich zu.
Es war ein Jahr vieler Lebenserfahrungen, voller Überraschungen und voll ecuadorianischen Lebensgefühls.
Ich bin eine Latina geworden, Ecuador ist eines meiner Zuhause.
Hier wieder in Österreich, sehe ich alles anders...
Die Menschen, die Landschaft alles sehe ich wie aus anderen Augen. Ich habe vor allem gelernt, alles hier mehr zu schätzen. Mir ist bewusster geworden, wie schön wir es hier haben.
Trotzdem leide ich unter Fernweh, das wohl nur mir einem Flugticket nach Quito zu stillen wäre, aber da muss ich wohl noch ein bisschen warten... (Larissa Nenning)





