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19.02.2019 06:46 Alter: 30 days
Kategorie: Geschichte, Projekte, Veranstaltungen

Dankbarkeit, Toleranz und Zielstrebigkeit


ZeitzeugInnen sind ja bekanntlich die besten GeschichtelehrerInnen. Aus diesem Grund lud die Klasse 8ai Frau Annerose Dorner, Jahrgang 1934, am Montag, den 18. Februar 2019 in ihren Unterricht ein. Die gebürtige Laaserin (Südtirol) und Mitbegründerin der Firma Dorner Electronic ließ die SchülerInnen der Maturaklasse als Zeitzeugin teilhaben an einer besonderen Kindheit während der Zeit des Faschismus in Italien und des Nationalsozialismus. Die 85-Jährige zeigte sich bei ihrem Vortrag hellwach, eloquent und aufgeschlossen, was die angehenden MaturantInnen sichtlich beeindruckte.

Die vierjährige Annerose floh mit ihrer Familie 1938 – ein Jahr vor dem Abkommen zwischen den beiden Diktatoren Hitler und Mussolini („Option“) – vor der sprachlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Unterdrückung ins „Deutsche Reich“. Nahe Braunschweig im Harzgebirge war der Vater gemeinsam mit vielen anderen Laasern im Bergbau tätig.

Das Leben in der Südtiroler Siedlung war entbehrungsreich, bot aber auch die Möglichkeit, das Fremde kennen und schätzen zu lernen. Über Umwege gelangte die vom Schicksal getroffene Familie – der Vater war im Krieg gestorben und den Kalk bauten nun andere ab – schließlich im Frühjahr 1946 nach Innsbruck. Es folgte eine Ausbildung zur Lehrerin, die Heirat mit Elmar Dorner und die Gründung des eigenen Unternehmens im Jahr 1964 in Egg.

Annerose Dorner verstand es, den SchülerInnen ein zentrales Stück europäischer Geschichte anschaulich und lebendig näherzubringen. Gleichzeitig war es ihr ein Anliegen, den jungen Menschen wichtige Werte, die ihr eigenes Leben stets begleiteten, mit auf den Weg zu geben. Es sind dies die Dankbarkeit für heute viel zu selbstverständliche Dinge, die Toleranz gegenüber Menschen aus anderen Kulturkreisen und die Strebsamkeit, die eigenen Talente zielgerichtet einzusetzen. (Tobias Bilgeri, Geschichtelehrer)