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27.02.2021 10:25 Alter: 113 days
Kategorie: Latein

WPG Latein: Kontroverses Thema Sterbehilfe


Brandaktuell ist das Thema Sterbehilfe nicht erst seit dem Entscheid des Verfassungsgerichtshofs zur "Hilfeleistung zum Selbstmord" im Dezember 2020. Dass diese Frage aber auch schon im Mittelalter virulent war, zeigt ein lateinischer Text aus den Gesta Romanorum.

Ein junger Mann zerfleischt Arme und Beine und frisst sie bis zu den Knochen ab. Als seine Mutter dies sieht, gibt sie ihm Gift. Der entsetzte Vater zeigt die Mutter bei Gericht an. Die Frau verteidigt sich damit, dass sie nicht ertrug, täglich die unerträglichen Qualen ihres Sohnes, die womöglich noch lange angedauert hätten, sehen zu müssen. Der Richter sieht das allerdings anders und argumentiert nicht nur mit dem fünften Gebot.

In den spätmittelalterlichen Gesta Romanorum findet sich diese Geschichte (lateinische Fassung und Übersetzung siehe Anhang). Nach deren Übersetzung wurden im Wahlpflichtfach Latein die Fragen diskutiert, die sich daraus ergeben, und Stellung zu den Argumentationen von Mutter und Richter bezogen. Ausgangspunkt war der Text aber auch, um genauer zu untersuchen, welche Arten bei der Sterbehilfe unterschieden werden müssen und welche unterschiedlichen Positionen es dazu in europäischen Ländern gibt.

In einem weiteren Schritt wurden der Entscheid des Verfassungsgerichtshofs zur "Hilfeleistung zum Selbstmord" vom Dezember 2020, aber auch die Kritik daran durch Bischof Benno Elbs und Landesvolksanwalt Florian Bachmayr-Heyda unter die Lupe genommen werden und einige neuere reale Fälle von Sterbehilfe analysiert. (Walter Gasperi)