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17.03.2021 08:22 Alter: 32 days
Kategorie: Geschichte

Zeitzeugengespräche am BORG Egg


Vor 76 Jahren wurden die Konzentrationslager des NS-Regimes von den Alliierten befreit: Das Vernichtungslager in Auschwitz im Jänner 1945 durch die Sowjets, im April desselben Jahres weitere Lager durch die US-Truppen, darunter Buchenwald, Dachau und Flossenbürg. Noch am 9. April 1945 wurde mit Dietrich Bonhoeffer der wohl prominenteste Insasse dieses Konzentrationslagers auf ausdrücklichen Befehl von Adolf Hitler hingerichtet. Zehn Tage später folgte die Räumung des Lagers und ca. 15.000 Häftlinge mussten zum „Todesmarsch“ (Entlang der Route wurden 5.000 Tote entdeckt) nach Dachau aufbrechen. Unter diesen Häftlingen war auch Ernst Reiter.

Am vergangenen Mittwoch (10.3. 2021) erzählte Reiters Tochter Ingrid Portenschlager den 8. Klassen des BORG Egg die Geschichte ihres Vaters. Organisiert vom Verein Lila Winkel wurde dieses Zeitzeugengespräch aufgrund der Corona-Bestimmungen virtuell über Zoom abgehalten. Trotz der fehlenden physischen Präsenz der Vortragenden waren es wohl zwei der eindrücklichsten Stunden an der Schule.

Nach der Einführung durch Referentin Irene Hubmann, Zeitzeugenbegleiterin und Mauthausen-Guide, durften die MaturantInnen an den Erlebnissen von Ingrid Portenschlager teilhaben, einer Zeitzeugin der 2. Generation. Sie wurde als „Kind eines KZ-Häftlings“ verspottet, von den Lehrern als „Judenkind“ zurechtgewiesen und musste erfahren, wie sehr sich die Inhaftierung des Vaters im KZ auf ihr tägliches Leben auswirkte. Prägend war ein Satz ihres Vaters: „Kein Brot ist hart - hart ist, wenn man kein Brot hat.“

Ernst Reiter verweigerte den Wehrdienst, wurde 1938 inhaftiert und zwei Jahre später ins KZ Flossenbürg gebracht. Von da an war er nicht mehr „Ernst Reiter“, sondern die Nummer „1935“. Sieben lange Jahre war er der Willkür und Grausamkeit der Aufseher ausgesetzt, überlebte Krankheit, Folter und Hoffnungslosigkeit. Die Betroffenheit während des Vortrages war greifbar, die Schilderungen hart und die Bilder schockierend. Ingrid Portenschlager sieht es jedoch als ihre Pflicht, die Geschichte ihres Vaters zu erzählen und aufzuzeigen, wozu Intoleranz, Vorurteile und Verhetzung führen können. Die Frage nach dem Vergleich der Corona-Maßnahmen mit einer Diktatur kostete sie nur ein müdes Lächeln und ein Kopfschütteln: „Diesen Menschen fehlt das Geschichtsbewusstsein.“ Mut machte ihre abschließende Botschaft: "Alle machen Fehler, niemand ist perfekt. Und trotzdem sollte man immer das Gute im Menschen sehen - Toleranz, Offenheit und Wertschätzung sind die höchsten Güter." (Geschichtelehrer der 8. Klassen)